18.06.2007
Jahrestreffen des Gundermann-Vereins mit viel Musik und Gesprächen
Am Ende des Tages gehen «Die Martin-Band» und Christian Völker noch einmal auf die Open-Air-Bühne in der Hoyerswerdaer Kulturfabrik. Ein letztes Mal können die jungen Musiker zeigen, was sie zuvor in der Interpretationswerkstatt gelernt haben. Bernd Nitzsche und Jörg Bogadtke haben anlässlich des dreitägigen 9. Gundermann-Seilschaftstreffens den Workshop gestaltet.
«Die Künstler haben uns etwas vorgespielt und wir haben ihnen danach gesagt, was sie noch verbessern könnten» , beschreibt Gundermann-Interpret Nitzsche den Ablauf des Workshops. Erstmalig war dieser Programmteil in dem Gundermann-Treffen aufgenommen worden. Eine Wiederholung im nächsten Jahr sei nicht ausgeschlossen, so Nitzsche.
«An der Vereinsversammlung der Gundermann-Seilschaft haben knapp 30 Mitglieder teilgenommen» , sagt der Vorstandsvorsitzende Wolfgang Meyer. «Momentan sind wir in Senftenberg registriert.» Doch noch in diesem Jahr wolle man nach Hoyerswerda umsiedeln. Insgesamt habe der im Jahre 1999 gegründete Verein rund 85 Mitglieder. «Es gab Zeiten, da sind wir zum Jahrestreffen weitaus mehr Leute gewesen» , so Meyers Fazit. Dies sei besonders kurz nach dem Tod von Gundermann im Juni vor neun Jahren gewesen. Der Vereinsvorsitzende kann nach eigenen Angaben nicht ausschließen, dass der Liedermacher irgendwann einmal ganz in Vergessenheit gerät. «Darum hat sich die Seilschaft die Aufgabe gestellt, das künstlerische und geistige Erbe des Liedermachers aufrecht zu erhalten» , sagt er. «Weiterhin versuchen wir auch jüngere Liedermacher zu fördern und ihnen Auftritte zu ermöglichen» , erklärt Wolfgang Meyer.
Der 23-jährige Andreas Martin ist einer der jungen Musiker, der einen Zugang zu Gundermann gefunden hat. «Bei meinem Schwiegervater habe ich zum ersten Mal eine CD von Gundi gehört» , so Martin. «Die tiefsinnigen Texte haben mir wirklich imponiert.»
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Zum Thema Gundermann-Archiv
· Die Kulturfabrik Hoyerswerda baut seit Oktober 2004 ein Gundermann-Archiv auf.
· Tonträger, Konzertmitschnitte, Fotos, Songtexte sowie Presseausschnitte werden in einem Tresor aufbewahrt.
· Das Archiv umfasst 78 CD, 17 Videos, 18 DVD sowie fünf Bücher und zahlreiche Fotos und Presseartikel.
· Daneben hat die Kufa eine Gundermann-Broschüre herausgegeben, die für drei Euro in der Tourist- und Stadtinformation, in der Bibliothek, in der Altstadt-Buchhandlung und in der Kulturfabrik zu haben ist.
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Von Michél Havasi
Sächsische Zeitung
Montag, 18. Juni 2007
Beobachtungen der Thalheim
Von Rainer Könen
Zum Auftakt des Seilschaftstreffens traten Barbara Thalheim und Jean Pacalet in der KulturFabrik auf.
Das kann Barbara Thalheim besonders gut: die Welt ein- und in Liedern wieder ausatmen. Die Chansonnette bildete am Freitagabend in der KuFa mit ihrem französischen Akkordeonisten Jean Pacalet wieder einmal ein harmonisches Gespann auf diesem Konzert. Obwohl – für ein reines Konzert war der Wortanteil des Abends mehr als nur beträchtlich. Was aber das Publikum nicht weiter störte. Denn die Liedermacherin hat diese außerordentliche Fähigkeit, Lebensbeobachtungen auf eine sehr prägnante Art zu erzählen und zu singen. Geschichten des Lebens, die man der in der Weltgeschichte Herumgekommenen einfach abnehmen muss. So tiefsinnig, so ehrlich und wahrhaftig werden sie von ihr durchleuchtet.
In der KuFa sang sie vom verlorenen Glück, einer Afrikanerin, berichtete von ihrem Umzug aus Neukölln nach Berlin-Stadtmitte („Nur weg“).
Mit ihrem aktuellen Programm „Immer noch immer“ beleuchtet die in Leipzig geborene Künstlerin aktuelle Politik, gesellschaftliche Befindlichkeiten. Dabei wirkt die löwenmähnige Endfünfzigerin alles andere als schulmeisterhaft. Vielmehr beschreibt sie mit einem Augenzwinkern, wie sie mit dem Leben und der Welt umgeht: mal wütend, mal zweifelnd, mal amüsiert. Sie singt von den Hineingeborenen des Ostens, beschreibt ihre Sicht zu den erlebten Gesellschaftsordnungen. Man versteht sie.
Rückblick in die DDR-Musikszene
Meetings mit Werkstatt und Vortrag zur Folk-Landschaft.
Die jährlichen Meetings der Gundermann-Seilschaftler in der Hoyerswerdaer KulturFabrik, sie sind mittlerweile so etwas wie Gewohnheit geworden. Das jedenfalls meinte der Vorsitzende des Vereines, Wolfgang Meyer. Eine Gewohnheit mit einigen kulturellen Höhepunkten. Dazu gehörte am Sonnabend sicher die Interpretationswerkstatt mit Jörg Bogadtke und Bernd Nitzsche, die talentierten Nachwuchsmusikern nicht nur das Liedgut des 1998 verstorbenen Hoyerswerdaer Liedermachers Gerhard Gundermann nahebrachten, sondern die jungen Künstler durften am Sonnabendabend ihre Ergebnisse auf der Pena, einem musikalisch-kulinarischen Abend, vorstellen. Und wie in den vergangenen Jahren auch blickte Reinhard „Pfeffi“ Ständer in die Musikszene der DDR zurück. Mit einem Vortrag, der an die „spannende Zeit in der DDR-Folkszene des Jahres 1982“ erinnerte, so „Pfeffi“ Ständer. Gezeigt wurden unter anderem Live-Mitschnitte von Folkländer, Pankow und der Gruppe Silly. (RK)
Gundi in Tübingen
Von Rainer Könen
Wenn sich die Gundermann-Seilschaftler treffen, dann wird aber nicht nur die Erinnerung an Gundi wach gehalten, sondern da müssen auch die für einen Verein üblichen Rituale gepflegt werden. Mitgliederversammlung heißt da eines. Es gibt aber auch neue Regelungen. Zum Beispiel, dass man die Gundermann-Party, die bisher in Berlin stattfand, in diesem Jahr wird sie am 27. Oktober gefeiert, ab 2008 an einem anderen Ort zelebrieren wird. In den Altbundesländern, in der Nähe von Tübingen, wie man erzählte. Es sei sicherlich ein Risiko, so etwas mal zu unternehmen, aber man probiere es einfach mal, meinte Seilschaftsvorsitzender Meyer. Nun, vielleicht gelingt es den Seilschaftlern bei dieser Party in den wieder einige für das Vermächtnis von Gundermann zu begeistern.
SZ 19.05.07
Gelungene Zweit-Premiere für das Singspiel Raskadonien
Von Silke Richter
Die KulturFabrik hat am Sonntag das Singspiel „Raskadonien“, das sich einst der Singeklub Hoyerswerda ausgedacht hatte, neu inszeniert.
Ende der 70er Jahre wurde das musikalische Märchen „Raskadonien“ von den Mitgliedern des Singeklubs, der sich später Brigade Feuerstein nannte, uraufgeführt. Heute, genau drei Jahrzehnte später, feierte das Kindertheaterstück eine neue Premiere. Unter Leitung von Ex-Feuerstein Elke Förster wurde das Kindermusical als Bestandteil des Großprojekts „Die dritte Stadt“ mit Darstellern aus der Region neu inszeniert.
Die Premiere erlebten am Sonntagnachmittag zahlreiche große und kleine Besucher in einem brechend vollen KuFa-Saal. Trotz einiger Änderungen im Programmablauf war der melancholische Unterton, den Gerhard Gundermann offenkundig in seine Werken einfließen ließ, deutlich zu spüren. Von der ersten bis zur letzten Minute zeigte sich das Publikum begeistert von den Abenteuern im sehr kleinen Land Raskadonien, in dem König Klaus, Prinzessin Helena, drei Soldaten und ein fünfköpfiges Volk lebten. Für die jüngsten Besucher war es wohl einfach ein sehr schönes Märchen. Erwachsene hingegen dürften die versteckten Nadelstiche, Kritik an gesellschaftlichen Entwicklungen und Problemen, die bis heute nichts an ihrer Aktualität verloren haben, deutlich gespürt haben. Was macht also ein König, der mal eben eine neue, prunkvolle Kutsche haben möchte? Er erhöht die Steuern! Doch Einigkeit macht bekanntlich stark. Und so organisieren der Dichter, die Waschfrau, der Schmied, der Bauer und der Schneider einen Aufstand. Um die Revolution zu unterbinden, schickt der König sein Volk auf die Jagd, um einen gefährlichen Drachen, den es aber gar nicht gibt, zu töten. Die Rache des Volkes lässt nicht lange auf sich warten: Der König wird verjagt. Der abschließende tosende Applaus offenbarte, dass die Besucher begeistert waren.
19.06.2007
Hoyerswerda.
29 Jahre nach der Erstaufführung in Hoyerswerda war Gerhard Gundermanns Kindermusical «Raskadonien» am vergangenen Sonntag noch einmal in der Kulturfabrik zu erleben.
Elke Förster, die einst als Mitglied der «Brigade Feuerstein» schon die Premiere als Darstellerin mitgestaltete, hatte sich diesmal als Regisseurin betätigt. Acht junge Darsteller, drei Musiker und eine Erzählerin haben Gundis Singspiel um Kameradschaft, Gemeinsinn und Zusammenhalt in der Kufa zur Aufführung gebracht. Seit März hatte die junge Künstlertruppe jeden Sonntag von 15 bis 18 Uhr geprobt. (uh)

Glückliche Gesichter nach der Premiere am Sonntag in der Kulturfabrik Hoyerswerda bei allen Mitwirkenden. Gerhard Gundermanns Kindermusical «Raskadonien» ist im Rahmen des Projektes «Die 3. Stadt» zur Aufführung gebracht worden.