1. Festival „Lied, Folk & Poesie“ beim Peißnitzer Liedersommer Halle 2007

22. Juni 2007, 16.00 Uhr – ein Wetter wie bestellt für eine Freiluftveranstaltung. Alle Technik ist aufgebaut, der Soundcheck fast vorbei, die ersten Künstler genehmigen sich ein Glas Bier, wegen der kühlen Erfrischung und dann muss irgend Jemandem der Kontakt zu dem/den Wettermacher/n abgerissen sein. Irgendwer hat den Hahn aufgedreht und es goss wie aus Kannen – leider zwei Tage lang.
Dies sollte auch der einzige Wermutstropfen bleiben, darin inbegriffen die große Anzahl Publikum, die dadurch der „Insel“ in den ersten beiden Tagen fern blieb,. Und trotz dieser prekären Wetterlage, jeder Hallenser weiß – bei dieser Nässe ist die Peißnitz (eine Saaleinsel und Naherholungsgebiet aller Halloren, Hallenser und Halunken < Zugereiste>) fast leer, bis auf Künstler, die sich und ihre Instrumente und Technik in Sicherheit bringen, fanden sich Liedbegeisterte. Ein Glück für alle, am Peißnitzhaus gibt es Kolonnaden, die zwar restaurierungsbedürftig, wie das Peißnitzhaus selbst,  aber vor Nässe doch einigermaßen (bis auf wenige undichte Stellen) schützen.
So begann der erste Tag mit ca. 1 ½  Stunden Verspätung für die 40-50 Enthusiasten mit der Begrüßung und dem musikalischen Auftakt von Stadtschreiber, Germanisten und Liedermacher Paul D. Bartsch. In seinen Lieder, mit denen er in „See sticht“ taucht immer wieder die Frage nach „Irgendwer“, Irgendwann“ und „Irgendwo“ und nach Verantwortung in der Gesellschaft auf und sind nicht nur Fragen – denn „Der Weg ist das Ziel“ sagt er in einem seiner Songs, mit denen er eine Farbigkeit an musikalischen Stilrichtungen benutzt, die fast für jeden Geschmack etwas bereit hielt.
Umso rockiger folgte Kai Madlung, diesmal vorrangig mit eigenen Songs und nur als Bonus eine Gundermannkostprobe, was seinem Programm aber nicht schadete. Seine Texte bewegten sich von ganz persönlichen Befindlichkeiten, Sehnsucht nach Liebe bis hin zum klaren Nein gegen Rechts. Ich glaube, es würde an dieser Stelle sehr müßig, für jeden Künstler eine passende Einschätzung zu treffen. Eines kann man allen teilnehmenden Akteuren bescheinigen: Ein sehr großes Engagement in ihren Texten - entweder zu ganz persönlichen Anliegen oder zum großen gesellschaftlichen Koloss, dem doch irgendwie ein Bein gestellt werden sollte, weil von unten die meisten Probleme realistischer betrachtet werden können. Hier können stellvertretend für alle die Texte von Michael Günter aus Berlin, oder Eva-Maria Emmer aus Halle genannt werden. Die Verbundenheit zu den heimatlichen Wurzeln, gepaart mit einer feinfühligen Instrumentierung und sehr sauber intonierten Satzgesängen präsentierten unsere Freunde aus Eckernförde, Kai Kankowski & Tosse. Den einzigen Part, den man, vielleicht durchs Wetter verursacht oder verunsichert, dieses Jahr vermisste, war die Lesung von Dirk Bierbass. Nicht das die Poesie bei der Vielzahl der Beiträge zu kurz gekommen wäre. Mitnichten – alle gaben in unserer Sprache ihr Bestes – aber es wäre das Pünktchen auf dem „i“ gewesen und hatte die etwas größere Anzahl Publikum, als am Vortag bestimmt auch begeistert.
Der erste Songklubversuch mit Ralf Schüller am Freitag und Gunnar Bittersmann & Nils Floreck in der Samstagnacht war ein lohnenswerter Einstieg. Zwar hatte am Freitag lediglich ein Peißnitzbesucher den langen Weg zum „Evergreen“ bewältigt und am Samstag „nur ca. 10, so gab es doch in der Szenekneipe auch um diese Zeit noch interessierte Zuhörer. Der Klub soll ja auch vordergründig dem Gespräch zwischen Künstler und Publikum und spontanen Auftritten bei offener Bühne dienen. Die Organisatoren sollten sich Überlegen, im nächsten Jahr vielleicht einen Pendelverkehr ab 23.00 Uhr einzurichten.
Ein dann sehr sonniger und freundlicher Abschluss war der Familientag am Sonntag. Nicht nur ein sehr gutes Programm von Micha Günter und Thomas Koppe und dem Peißnitzhaus e.V. begeisterte das hier dann zahlreiche erschienene Publikum (gezählte und zahlende Gäste ca. 150), sondern auch ein Wetter vom Feinsten, welches erst 30 Minuten nach Beendigung seine dunklen Wolken aufziehen ließ.
Alles in Allem war der Auftakt gelungen, auch wenn die fehlende Schlechtwettervariante und das Wetter eine größere Zuschauerzahl verhindert hatten. Es ist auch nicht Heinz-Rudolf  Kunze schuld, der am Vortag die „Händels Open“ mit P. Bartsch als Vorband beendete. Die Qualität der Veranstaltung und die Ansprüche der Organisatoren sind stimmig.
Den Organisatoren und Sponsoren sei an dieser Stelle nochmals ein herzliches Dankeschön ausgesprochen und deshalb hier auch ein letztes Mal aufgezählt:
Die Hauptarbeit in Vorbereitung und Durchführung Paul D. Bartsch und der Peißnitzhaus e.V., als Mitveranstalter Gundermanns Seilschaft e.V. und PROFOLK e.V., als großzügige Sponsoren das Kulturbüro der Stadt Halle und die Energieversorgung Halle, der Förderkreis der Schriftsteller Sachsen-Anhalt e.V., der DGB Regionalverband Sachsen-Anhalt Süd und die ZWEITON GbR.
Ich glaube im Namen aller zu sprechen, wenn ich sage, dass wir uns auf eine Fortsetzung im nächsten Jahr mit besserem Wetter schon freuen – und junge Künstler stehen genügend im Startloch, um dieses Festival mit ihrer Poesie und ihrem Biss zu beleben.
JDH

 

letzte Änderung: 2008-12-17T13:29+0100