Pressestimmen

vom Montag, 19. Juni 2006, Sächsische Zeitung

Gundi-Verein ein Jahr ohne regulären Vorstand
Von Rainer Könen

Gerhard Gundermann lebt. Nicht nur in der Erinnerung der Seilschaftler, die sich am Wochenende in der KuFa zu ihrem alljährlichen Vereins-Meeting trafen. Mit den Liedern und Texten des 1998 verstorbenen Liedermachers setzen sich mittlerweile viele Jugendliche auseinander. Das jedenfalls sagt Seilschafts-Mitglied Bernd Nitzsche.

Beim diesjährigen Seilschaftstreffen, das den Titel „Komm, wir schlachten die Uhr“ trug, trafen sich rund 30 Mitglieder in Hoyerswerda. Jedoch nicht alleine deswegen, um in Erinnerungen an den Rockpoeten zu schwelgen, obwohl an dem Wochenende einige Programmpunkte sicherlich dazu Anlass boten. Wie etwa der Film über das Abschiedskonzert für Gundermann, das 1998 wenige Monate nach seinem Tode in Berlin stattfand oder Reinhard Ständers Musikvortrag über die Brigade Feuerstein, deren Mitglied Gundi war. Vielmehr wurden bei dem Meeting einige formale Dinge behandelt. So wurden Arbeitsgruppen für die Veranstaltungen gebildet, die demnächst geplant sind. Dazu gehören eine Gundermann-Party (siehe Interview) sowie ein Gundermann-Kalender. Wolfgang Meyer, seit knapp drei Jahren Vorsitzender der Seilschaftler, bekannte, dass beim letztjährigen Treffen bei der Wahl des Vorstandes ein „kleiner Fauxpas“ unterlaufen sei. Den Vorstand habe man in da in einem Block gewählt, was nicht den Statuten entspricht. Folglich „müssen wir die Wahl wiederholen“, so der 55-jährige Berliner. Das wird voraussichtlich im August geschehen.

Das achte Seilschaftstreffen wurde am Sonnabend mit einer Party abgeschlossen. Für Musik sorgte auch die Gruppe „Huderich“ aus Dresden. Die jungen Musiker spielten etliche Stücke von Gundermann und bestätigten den Eindruck Nitzsches, dass „die bildhafte Sprache von Gundis Texten“ einen Reiz auf die Jugend ausübt.

Zukunft und Vergangenheit der Seilschaft

Vereinsvorsitzender Wolfgang Meyer (55) über Pläne und Projekte der Seilschaft.

Herr Meyer, zum achten Male traf sich die Seilschaft. Haben Sie neue Mitglieder gewinnen können?

Oh ja. Vor diesem Treffen hatten wir 87 Mitglieder. Jetzt sind wir zwei mehr.

Was erwarten die Seilschaftler von den Neuen?

Wichtig ist uns, dass sie offen sind. Dann freuen wir uns natürlich, wenn sie neue Ideen einbringen, Vorschläge machen, wie man beispielsweise Gundis Wirken am Leben erhält.

Was hat die Mitgliederversammlung geplant?

Wir wollen auf jeden Fall im Oktober eine Gundermann-Party in Berlin veranstalten. Dann laufen Überlegungen, 2007, möglicherweise im März, in der KuFa ein Gundermann-Cover-Wochenende zu organisieren.

Da haben Sie sich ja eine Menge einfallen lassen...

Ja. Wir wollen ja all das, was Gundermann in seinen Liedern zum Ausdruck brachte, sein ganzes Leben, bei solchen Veranstaltungen wach halten.

Als was betrachten Sie die Seilschaft?

Wir sehen uns als eine Plattform für Gundermann-Interessenten.

2005 wäre Gundi 50 Jahre alt geworden. Da organisierte der Verein zu seinem Geburtstag in der KuFa einige Veranstaltungen, um an den Liedermacher zu erinnern.

Ja. Und zum zehnten Todestag von Gundi, in zwei Jahren, da werden wir, darüber haben wir uns an diesem Wochenende verständigt, auch einige sehr interessante Veranstaltungen initiieren.

Gespräch: R. Könen

Ein Abend voller Wahrheiten
Von Rainer Könen

Konzert. Hans-Eckard Wenzel präsentierte sich als Meister der Ironie.

Das war nicht einfach für Hans-Eckard Wenzel. Die Gundermann-Seilschaft hatte den Künstler zum Auftakt ihres zweitägigen Vereins-Meetings nach Hoyerswerda eingeladen und kurz vor seinem Auftritt am Freitag wurde die Stimmung in der KuFa sentimental. Ein halbstündiger Film über das Berliner Abschiedskonzert für den 1998 verstorbenen Gerhard Gundermann ließ viele der über 200 Besucher nachdenklich, ja versonnen werden.

Vielleicht war es aber auch eine gute Basis für Hans-Eckard Wenzel. Denn der studierte Kulturwissenschaftler hat ein Gespür für die Stimmungslage des Publikums, versteht es, dieses schnell für sich einzunehmen. Was ihm am Freitagabend mit seinem Soloprogramm, einem Extrakt aus seinen bisher zwölf produzierten CDs, gut gelang.

Wenzel war so wie ihn viele noch von den zurückliegenden Auftritten in der KuFa in Erinnerung hatten: Experimentierfreudig, polarisierend, irritierend. Die Melancholie im Saal über den gerade gesehenen Film „Einmal bleiben morgens meine Schuhe leer ...“ aufgreifend, forderte der 50-Jährige zu Beginn denn auch im ersten Stück gleich, „macht die Türe sachte zu“ und hielt inne, als zwei Hunde laut bellend störten. „Schickt die Hunde doch nach draußen zum Fußballgucken, da sind sie alle unter sich“, sagte er und dabei zeigte sich ein fast diabolisches Grinsen in seinem Gesicht. Aber auch ein Künstler wie er kann das Ereignis nicht ohne weiteres ignorieren, das in diesen Wochen die Welt, und ganz besonders Deutschland in Atem hält. Es sorge dafür, dass „die Nation endlich zu sich selbst findet - in der einen Hand die Bierflasche, in der anderen die Deutschlandfahne“. Wenzel hatte an diesem Abend einiges zu bieten. Jedes seiner Lieder, ob Chanson, Ballade oder Couplet, war von einer ungeheuren Ironie durchdrungen. Der Mann, der lange Zeit mit Steffen Mensching als politisches Clowns-Duo aufgetreten war, und damit seinen Bekanntheitsgrad potenzieren konnte, kommt mit seinem Programm politisch ziemlich unkorrekt rüber. Und mit dem Zeitgeist steht er ja ohnedies in ständigem Clinch, was viele seiner Stücke wiederspiegeln.

Auf der Bühne erlebte man ihn als jemanden, der seine teilweise melancholischen Lebenweisheiten („alle Dinge, die man teilen kann, sind wertvoll“) mit einem Gesichtsausdruck vermittelt, der eigentlich nur das aussagt: „He Leute, ich habe zwar im Leben schon vieles durchlitten, aber unterbuttern lasse ich mich nicht.“ Wer bei diesem Konzert neben gehaltvollen Texten auch auf entsprechend mitreißende Musik gehofft hatte, der musste seine Erwartungen ein wenig zurückschrauben. Keine Abwechslung in den Melodien, ob am Piano, am Akkordeon oder an der Gitarre.

Wenzels dreistündiges Konzert dürfte für die meisten Besucher dennoch „ein wertvoller Abend, ein Abend voller Wahrheiten“, gewesen sein, wie das der Künstler etwas schelmisch fand.

Sächsische Zeitung
Samstag, 17. Juni 2006


Neues Infoheft für Gundi-Einsteiger erschienen
Von Mirko Kolodziej

Musik. Die KuFa widmet Gerhard Gundermann eine Mini-Biografie.

Pünktlich zum achten Treffen von Gundermanns Seilschaft an diesem Wochenende in der ZwischenBelegung der KulturFabrik hat die KuFa eine 32-seitige Broschüre über den Hoyerswerdaer Musiker vorgelegt. Das grüngelbe Heftchen heißt „Gundermann: Hoywoy - Dir sind wir treu“.

Enthalten sind unter anderem Gundermanns wichtigste Lebensdaten, die Discographie seiner Musik und Zitate von sowie über den streitbaren Künstler. So findet sich auch sein Urteil über seine Heimatstadt: „Für mich war Hoyerswerda sozusagen immer die Blüte der Provinz. Hier war viel möglich. Nach 1990 ist aus der Blüte der Provinz einfach Provinz geworden.“ Die Broschüre dokumentiert auch Liedtexte wie „Hier bin ich geboren“ oder das unvermeidliche „Hoywoy“, natürlich Fotos sowie drei längere Beiträge. Es sind dies ein Auszug aus einem Artikel, der 2003 in der Zeitschrift „Sozialismus“ erschien, ein Gundermann-Beitrag des Filmemachers Bernd Cäsar Langnickel 1980 in „neues leben“ sowie der SPIEGEL-Nachruf von 1998. KuFa-Geschäftsführer Uwe Proksch sagt, man habe sich bewusst auf Material gestützt, das sich im wachsenden Archiv in der ZwischenBelegung findet: „Wir fanden, was da ist, reicht aus. Die Idee für die Broschüre hatten wir schon länger. Denn wenn Touristen kommen, ist in Hoyerswerda bisher wenig über Gundi zu finden.“

Für den redaktionellen Inhalt zeichnet neben Proksch Archivleiter Reinhard „Pfeffi“ Ständer verantwortlich. Um Satz und Layout hat sich in Berlin das ehemalige Feuerstein-Mitglied Ingo „Hugo“ Dietrich gekümmert. Die drei erklären, ihre langjährige Freundschaft zu Gundi habe die Arbeit nicht nur erleichtert: „Die erste Fassung,“ sagt Proksch, „hatte 52 Seiten.“

Das Endresultat ist laut Dietrich nun „keine Werksausgabe, sondern ein Infoheft“ geworden und richtet sich nicht so sehr an eingefleischte Gundermann-Fans, wie Ständer erläutert: „Die Broschüre ist vor allem für Leute, die Gundi noch nicht so genau kennen. Fans werden das, was drin steht, schon alles wissen.“

Das Heftchen hat eine Startauflage von 1 000 Stück und ist zum Preis von drei Euro in der ZwischenBelegung, der Stadtinformation im Schloss sowie in der Bibliothek im Stadtzentrum zu haben.

 

19.06.2006 00:00 Lausitzer Rundschau
Gundis Liedgut immer noch aktuell

8. Gundermann-Seilschaftstreffen lockt auch die Jugend in die Kufa

Freunde und Anhänger von Gundermanns Poesie, der tiefsinnigen Texte des 1998 verstorbenen Liedermachers, kamen am Wochenende zum 8. Seilschaftstreffen in der Kufa zusammen.
Eingeleitet wurde die Veranstaltung bereits am Freitagabend mit dem Auftritt von Liedermacher Hans-Eckardt Wenzel, der im voll besetzten Kufa-Saal einen fulminanten dreistündigen Auftritt hinlegte und dabei aus seinem reichhaltigen Repertoire aus mehr als elf CD-Produktionen schöpfen konnte. «Das war wohl eines der schönsten Konzerte, die er überhaupt gespielt hat» , sagte Geschäftsführer Uwe Proksch. «Vor allem die Art wie er auf die Wünsche des Hoyerswerdaer Publikums eingegangen ist, war einfach genial.»
Nach der Mitgliederversammlung der Gundermann-Seilschaft und Musikvortrag von Pfeffi Ständer über die Brigade Feuerstein, präsentierten sich am Samstagabend noch einmal zahlreiche Künstler auf der offenen Bühne im Freien. In Anlehnung an eine südamerikanische Pená, bei der das lockere Miteinander durch nette Gespräche und allerlei Köstlichkeiten gefördert werden soll, trauten sich auch die drei Schüler Christian Völker, Anja Neumann und Nadine Mahnke auf die Bühnenbretter. Als lockere Formation hat das Trio aus Hoyerswerda dabei noch nicht einmal einen Bandnamen: «Wir haben uns ja auch erst am Nachmittag zusammengefunden, um ein paar Lieder von Gundi nachzuspielen. Das war so gegen 16 Uhr» , sagte Christian lachend. Vor allem die nette Atmosphäre und der lockere Umgang miteinander hat die drei Jugendlichen spontan dazu bewegt, ihren Beitrag am Pená-Abend zu leisten. Mit unvergessenen Liedern wie «Spricht der Teufel» und «Alle oder keiner» können sich die Jugendlichen auch heute noch identifizieren: «Gundermanns Texte sind einfach immer noch aktuell und werden es auch bleiben. Gerade mit dem Bezug auf die eigene Heimat spielt er im Leben und Denken der Stadt immer noch eine wichtige Rolle» , sagte Christian Völker über den großen Hoyerswerdaer Liedermacher.  (koe)
Thomas Köhler

17.06.2006 00:00 Lausitzer Rundschau
Gundi auf 30 Seiten für immer verewigt
Kufa gibt Broschüre über Liedermacher heraus

Der Kunstverein hat es vorgemacht und der Hoyerswerdaer Schriftstellerin Brigitte Reimann mit einer Broschüre ein Denkmal gesetzt. Die Kulturfabrik zieht nach: Pünktlich zum 8. Treffen des Vereins «Gundermanns Seilschaft» ist Gundi in einer 30-seitigen Broschüre verewigt.

 In «Gundermann – Hoywoy – Dir sind wir treu» wird der 1998 verstorbene Rockpoet, wie er gern genannt wird, in Zitaten, Liedtexten, Beiträgen, Fotos und Diskographie quasi wieder lebendig.
«Die Broschüre ist etwas für Menschen, die noch nicht viel über ihn wissen» , sagt Reinhard Ständer. Er baut das Gundermann-Archiv in der Kufa auf und kennt natürlich jede veröffentlichte Zeile oder Note. Das neue Heft dürfte eine Marktlücke sein: Die einzige erschienene Biographie ist seit Jahren vergriffen.
«Wir hatten viel mehr Material. Die Schwierigkeit war auszuwählen und die richtige Mischung zu finden» , erzählen die Broschüren-Macher Uwe Proksch, Reinhard Ständer und Ingo Dietrich. Die erste Druckfassung hatte mehr als 50 Seiten. «Wir mussten extrem kürzen.» Aus erster Hand ist tatsächlich etwas dabei: Ingo «Hugo» Dietrich, langjähriger Weggefährte von Gundermann und Gitarrist und Sänger bei der «Brigade Feuerstein» , hat in seinem privaten Fotoarchiv gestöbert. Eine Doppelseite gibt selten gesehene Einblicke in alte «Feuerstein» -Zeiten.
Die Broschüre gibt es in der Kufa, der Stadtbibliothek und in der Stadtinformation für drei Euro.



letzte Änderung: 2008-12-17T13:28+0100