Gundermanns Seilschaft e.V.

Gerhard Gundermann
Foto: Ulrich Burchert

Gerhard Gundermann (1955–1998), Liedermacher und bis 1996 Baggerfahrer in Lausitzer Tagebauen, schöpfte Kraft und Ideen aus der Begegnung und Reibung mit Natur, Menschen, Arbeit, zwei Gesellschaftssystemen. Es entstanden geerdet-versponnene, warme und raue Lieder und Texte, die Gundi auf Solo- und Bandkonzerten vorstellte und die auf CDs weiterleben.

Wir Vereinsmitglieder von Gundermanns Seilschaft e.V. sind Freunde und Anhänger von Gundermanns Poesie und engagieren uns seit 1999, seine Lieder und Gedanken lebendig zu halten. Über unsere Veranstaltungen und unsere Website wollen wir Interesse wecken und ein Austauschforum für Interessierte bieten.

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Es lebe der Fehler!

03.03.2015

Tage und Abende voller schöner und aufregender Veranstaltungen zu Ehren von Gundis 60. Geburtstag liegen hinter uns. Jeder hat „aufgetankt“, so gut er konnte. Und die Tankstellen sind noch nicht in der Saisonpause, da ist noch manches drin.

Ganz besonders haben uns die Abende in Hoywoy und Weimar gefallen - etwas abseits der Medienaufmerksamkeit, aber nicht minder derselben untereinander. Wir danken allen Mitwirkenden, Organisatoren, Inspiratoren, Unterstützern und vor allem auch den Leuten, die unser Angebot angenommen haben. Weiblichen wie männlichen.

Wir wollten es natürlich besonders gut machen und Fehler vermeiden. Doch da überrascht uns Hans-Dieter Schütt mit einem eigens für unsere Website geschriebenen Text: „Es lebe der Fehler!“. Wie meint er das?

Das könnt und sollt Ihr hier nachlesen. Wir sagen ihm vorher herzlichen Dank.


H.-D. Schuett
Hans-Dieter Schütt
23.02.2015

Es lebe der Fehler!

Er wäre am vergangenen Sonnabend sechzig geworden - und hätte die Geburtstagsfete also nun schon hinter sich. Aber er hat nicht sechzig werden dürfen, und so gehen die Feten noch ein paar Tage oder Abende weiter, Konzerte, Filme. Erinnerung nimmt sich die Zeit, die man sich nicht nimmt, so lange man mehr mit Leben als mit Erinnerung beschäftigt ist.

Gerhard Gundermann schuf ein Werk. Nun wartet er. Das ist die Haupttätigkeit eines Poeten in fortlaufender Zeit. An der er nicht mehr beteiligt ist. Woran nicht mehr beteiligt? Am Fortrennen der Zeit - daran ist Gundermann wahrlich nicht mehr beteiligt, das stimmt, das war er nie. Er rannte nicht mit der Zeit, er rannte nicht neben ihr, er rannte ihr nicht hinterher, aber er rannte in sie hinein. Wollte sie aufhalten oder ändern oder umarmen oder knuffen oder alles zusammen. Er missachtete die Zeit, sie war ein Dieb, sie stahl so viele Möglichkeiten, etwas aus ihr zu machen - später dann wuchs seine Achtung vor der Zeit, sie half, sich angesichts des wachsenden Bewusstseins von der Kürze der Existenz zu konzentrieren. Aufs Wesentliche. Man weiß oft erst zu spät, was das Wesentliche ist. Gundermanns Poesie erzählt's.

Er bleibt auch als Gestorbener ein Vor-Läufer aller, die noch leben. Was er schrieb, war, ist - und wird. Er war ein Sänger, von dem man ahnen durfte, dass er sich auf Wegen zu einem großen Dichter befand. Das macht seine Musik, seine Lieder nicht geringer, aber die Texte erhöhen sich täglich mehr. Was ist, wenn wir einer Dichtung begegnen? Du besteigst Berge, die du dir nur einbildest, du stürzt nur in der Phantasie ab - und blutest trotzdem.

[...]

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letzte Änderung: 2015-05-19T19:16+0200